Dr. Hans Huber wird nach mehr als 5 Jahrzehnten aus dem Gemeinderat verabschiedet.

 

Nun also ist es amtlich: der vergangene Dienstagabend war die letzte Gemeinderatssitzung von Dr. Hans Huber. Und damit endete nach 56 Jahren fast auf den Tag genau, seine erste Sitzung war am 05.12.1962, ein beispielloses Engagement in der Kommunalpolitik.

In seiner Verabschiedung sprach Oberbürgermeister Roland Klenk dann auch von einer Zäsur. Man könne es kaum glauben, so der OB, dass Dr. Huber nun nicht mehr Mitglied des Gemeinderats ist. Unmittelbar vorher hatte das Gremium einstimmig beschlossen, dass Dr. Huber dem Gemeinderat nicht mehr angehört und damit seinem Wunsch entsprochen, das Gremium verlassen zu dürfen.

Sichtlich gerührt und – was bei ihm selten vorkommt – um Worte verlegen, nahm der scheidende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler die Ansprachen und Würdigungen der übrigen Fraktionen entgegen. Fast zwei Stunden konnten aber wie erwartet nur einen Teil des unglaublichen Facettenreichtum eines so langen Kommunalpolitikerdaseins beleuchten.
OB Klenk bezeichnete den „Ur-Echterdinger, der die neue Stadt angenommen hatte“ als „bekannt, berühmt, berüchtigt und gefürchtet“ wegen seiner klaren Sprache, die heute so manchem Politiker abhanden gekommen sei. Der Vize-Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Walter Vohl, riet Dr. Huber in seiner unnachahmlich-humorvoll-schwäbischen Art, dass er besser zukünftig nicht als Zuhörer in die Ratssitzungen kommen solle, damit es ihn nicht „verreisst, wenn er nicht mehr mitreden kann!“
Die Fraktionsvorsitzende der CDU, Ilona Koch, bedankte sich für die jahrzehntelange, gute und menschliche Zusammenarbeit und würdigte die 56 Jahre Ausdauer im Gemeinderat als Alleinstellungsmerkmal. Für Bündnis90/Die Grünen gab die Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko ein Gedicht von Eugen Roth Dr. Huber mit auf den Weg: “ wo es zu Ziehen gilt, hilft kein Drücken!“ und betonte, wie sehr es sie freue, seine Zeitgenossin sein zu dürfen. Trotz mancher Widersprüche, hätte sie von ihm gelernt, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Auch Erich Klauser, der für die SPD sprach, nannte die 56 Jahre beispiellos und würdigte Hubers Wort, dass geschätzt und gefürchtet zugleich sei. Davon könne er ja jetzt wieder in Leserbriefen Gebrauch machen, die durch die Statuten der Stuttgarter Zeitungsverlagsgruppe aktiven Gemeinderäten leider verwehrt sei.
Wolfgang Haug, der für die LE-Bürger/FDP Fraktion das Wort ergriff und nun neuer dienstältester Gemeinderat sei, zollte Hans Huber größten Respekt vor dessen Leistung und bezeichnete ihn als unangefochtenen „König der Nachsitzungen“. Und auch Claudia Moosmann, die für die Freunde der Filderpiraten ans Rednerpult trat, würdigte Dr. Huber als Person, die sie sehr schätze und die bewiesen hätte, dass Fraktionsvorsitzende nicht immer automatisch recht hätten.
Dr. Huber selbst, bedankte sich sichtlich gerührt bei allen Rednerinnen und Rednern für diese aus seiner Sicht fast zu vielen Würdigungen und Geschenke. Dass es ihm schwer falle zu gehen, wurde in dem Satz deutlich: „diese Worte trösten die Seele!“. Er schlug einen weiten Bogen von den Anfängen am 4.11.1962 mit der ersten Wahl und seiner Aufstellung auf die Liste der „Freien Bürger“ wie es damals hieß, im ehemaligen Café Hofmann in Echterdingen. Wie er zum ersten Mal um 18.00 Uhr beim Glockenläuten ins Rathaus „geschritten“ sei: “ hoffnungsvoll, neugierig, naiv.“ Und wie schon bald mit dem Verklingen der Glocken auch seine Illusion verschwunden sei: er hätte ja noch „so viel lernen müssen.“ Damals gab es keine Fraktionen, Parteien und Ausschüsse und nie „vorgefertigte Aufsätze“ als Redebeiträge mit viel „BlaBla!“. Nachsitzungen waren witzig, spritzig und nie bissig oder böse. Was man erreicht habe? Ein erster Erfolg war die Verhinderung der Zuschüttung der Echterdinger Pfarrwette im September 1963, ein Gymnasium für Echterdingen folgte, das bis heute gültige Nachtstartverbot am Flughafen, die Rettung der Weidacher Höhe. Aber es gab auch Mißerfolge: die S-Bahn in Leinfelden kam nicht in Tieflage, die Messe ließ sich nicht verhindern. 12 Bürgermeister dienten „unter ihm“, von denen er 10 als seine Kandidaten durchgebracht habe. Privat hätte der GR viel Verzicht bedeutet, aber auch beflügelnde Höhenflüge mit sich gebracht und den Gewinn neuer Freunde. Es ging ihm immer nur um die Sache. Er, der einmal als „konservativer Revolutionär“ bezeichnet wurde, in kein Schema passe, obwohl er sich als „so einfach gestrickt“ bezeichne, bleibe der Stadt verbunden, dankte für die schöne Zeit, trotz gewaltiger Niederlagen und auch viel Frust, lobte die Kraft und Freiheit, gegen den Strom zu schwimmen und endete mit den Worten: „es lebe das freie Wort!“

OB Klenk, Ehefrau Susanne Ludwar und Dr. Hans Huber (v.l.n.r.)     Foto: E. Wächter


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