Fahrradstraßen überall?
Interpretationen sind bekanntlich der freien Phantasie unterworfen. Ähnliches gilt wohl auch in unserer Stadt wenn es um das Thema „Fahrradstraßen“ geht. Die Testfahrradstraße in der Goldäckerstraße ist ein erster Versuch, das Thema der Bürgerschaft näher zu bringen, was sich von Tübingen und Freiburg über Stuttgart aufgemacht hat, nun auch LE „zu beglücken“. Landauf landab hält man die „Modeerscheinung“ der Fahrradstraße für der „Weisheit letzten Schluss“, den dringend notwendigen Radverkehr sicherer zu machen. Und das auch noch so kostengünstig, dass lediglich ein paar Fahrbahnmarkierungen und Schilder notwendig sind, um die Maßnahme in die Umsetzung zu bringen. Befürworter führen ins Feld, dass man sich dadurch den Bau teurer Radwege sparen könne.
Dass es ein immensens Maß an Aufklärung und Begleitung erfordert, zeigt die nun zu Ende gegangene Begleitgruppe zur Fahrradstraße. Gleich zwei Ingenieurbüros aus Nordrhein-Westfalen wurden beauftragt, Messungen und Auswertungen, Aufklärungen und Umfragen zu erörtern, zu moderieren und wie die Mobilitätsabteilung hier im Amtsblatt schrieb, „der Bevölkerung zu erklären“. Dass die „Bevölkerung“ bei der Begleitgruppe lediglich aus zwei Bürgern bestand, ist schade, aber auch typisch für unsere Zeit!
Die Ergebnisse dieser Begleitgruppe wurden zum Ende nun in ein „gemeinsames“ Statement gegossen, das als Grundlage für die finale Beratung und den Beschluss im Technischen Ausschuss im Januar herangezogen werden wird. Natürlich hätten wir uns ein kritischeres Statement gewünscht, das auch die Bedenken hinsichtlich Verlust von Parkplätzen, Scheinsicherheit und zu hohe Geschwindigkeit durch die Aufgabe der Rechts-vor-Links-Regelung mit aufnimmt. Am Ende heißt es nun: weil es keinen massiven Widerstand gibt, soll die Fahrradstraße bleiben.
Die schweigende Mehrheit hat sich leider nicht an den Umfragen beteiligt und ist immer noch nicht mit der Fahrradstraße vertraut. Viele Anfragen betroffener Bürger bei uns direkt bestätigen dies. Ein Vielfaches an hunderten Autos täglich gegenüber wenig Radfahrern, die die Goldäckerstraße befahren (müssen), weil dort Wohngebiete sind, Schulen und ein Kulturforum zeigt, dass die Fahrradstraße mehr eine Autostraße geblieben ist und auch bleiben wird. Auch wenn sich die Befürworter eine Verdrängung der KFZ’s aus dem Straßenverkehr wünschen. Wir halten deshalb immer noch einen baulich getrennten Radweg für besser. Wenn die Westseite mit dem sogenannten „Käpsele“ aufgesiedelt wird, ist die Fahrradstraße bestimmt nicht mehr die richtige Verkehrsführung. Noch haben wir die Planung in der Hand. Und wir sind froh, dass auch wenn die Fahrradstraße nun bleiben sollte, eine Neubewertung vor der Aufnahme der Bautätigkeit erfolgen muss. Die Aufnahme dieses Passus ist auf unsere Intervention hin gelungen. Der Forderung aus allen Straßen im Stadtgebiet Fahrradstraßen zu machen, erteilen wir aber eine Absage!
Bedanken möchten wir uns für das Zustandekommen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Den Bürgern wurde so immerhin ein Beteiligungsformat gegeben.





