Kaum eine Kommune in Baden-Württemberg erlebt einen so schnellen, nachhaltigen Strukturwandel wie in Leinfelden-Echterdingen. Das durften wir in der jüngtsen Sitzung des Verwaltungs-Kultur-und Sozialausschusses aus berufenem Mund erfahren. Dr. Manfred Zeiner vom renommierten Institut dwif consulting aus München stellte in seinem Gutachten basierend auf den Zahlen von 2016 eindrucksvoll unter Beweis, dass schon heute 2 Millionen Gäste pro Jahr in unsere Stadt strömen.

Überwiegend, so der Experte, seien dies natürlich Tagestouristen, die maximal 1,2 Nächte im Durchschnitt in den Hotels übernachten. Gesamtumsatz aus dem Tourismusgeschäft: knapp 150 Mio. Euro jährlich. Gastgewerbe und Einzelhandel profitieren davon in nicht unerheblichem Maße.

Die negativen Begleiterscheinungen, wie die Zunahme des Individualverkehrs, Parkplatznot und steigende Wohnungspreise ließ der Experte in seiner Analyse freilich ausser acht.

Die Marketingabteilung unserer Stadt freut sich indessen sehr, dass LE bei den Übernachtungszahlen bereits auf Platz 13 in Baden-Württemberg liegt, und wird nicht müde,  sich immer mehr auf Touristen einzustellen. Das touristische Angebot soll erweitert, mehr Werbung soll gemacht werden. So will man versuchen, die Gäste zu mehr Übernachtungen und etwas längeren Aufenthalten zu bewegen und die touristischen Highlights der Filderkommune herauszustellen: seien es das Siebenmühlental, die Rad- und Wanderwege, die Museen oder einfach nur die Ortskerne. Überall muss etwas getan werden um die Attraktivität der Sehenswürdigkeit zu erhöhen. Das begrüßen wir natürlich!

Aber: es kostet auch Geld, eine touristische Infrastruktur aufzubauen, zu unterhalten und zu bewerben. Von Bade- und Kurorten weiß man das.

Wir fordern deshalb seit langem die Einführung einer Gästeabgabe.

Bei dieser Forderung bleiben wir auch. Selbst wenn immer wieder gesagt wird, dass die Geschäftstouristen nicht zu deren Zahlung herangezogen werden können.

Das ist zwar richtig. Wir glauben aber – ohne dass bereits Zahlen erhoben worden sind – dass mindestens die gleiche Anzahl Übernachtungsgäste aus touristischen und nicht geschäftlichen Gründen in unsere Stadt kommen. Man braucht nur am Wochenende die Scharen von Menschen mit Trolleys entlang der Hauptstraße zu betrachten, wenn zu den Hotels ware Völkerwanderungen im Gange sind. Sind das wirklich alles Geschäftstouristen? Optisch sehen sie jedenfalls nur selten danach aus. Genau diese sollen aber über das Stadtmarketing angesprochen werden. Für sie wäre das touristische Angebot besonders attraktiv. Und genau hier lohnt und rechtfertigt sich dann die Tourismusabgabe. Sie gibt es übrigens in fast jeder deutschen Großstadt und international sowieso schon lange – ohne dass jemand dagegen seine Stimme erhebt. Ganz selbstverständlich werden dadurch kulturelle und touristischen Aktivitäten gefördert! Warum nicht auch in unserer Stadt, die sich neuerdings so gerne mit dem Aushängeschild Tourismus schmücken möchte?


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