Stellungnahme der FW-Fraktion zum Haushaltsplanentwurf 2016

bei der Einbringung des letzten Haushaltes 2015 berichtete uns der Kämmerer von einem negativen Saldo im Ergebnishaushalt von rund 3,4 Millionen Euro. Wir erinnern uns: damals waren alle Fraktionen gleichermaßen von der Verwaltung aufgefordert worden, dieses negative Ergebnis abzuwenden und Sparvorschläge zu erarbeiten, um den Haushalt auszugleichen. Der erste Haushalt nach neuem kommunalen Haushaltsrecht, NKHR, offenbarte eklatante Schwächen im Ergebnishaushalt. Die neu zu berücksichtigenden Abschreibungen für Investitionen führten zu diesem negativen Saldo. Damals warnte der Kämmerer, dass die Erträge die laufenden Aufwendungen nicht erwirtschaften können. Wesentliche Schwerpunkte aus dem neuen Haushaltsrecht waren zudem noch nicht eingeführt oder umgesetzt: die Stadt verfügte über kein übergeordnetes Leitbild, Ziele des strategischen Handelns waren noch nicht definiert und auch sogenannte Schlüsselprodukte, anhand derer ein finanzielles Controlling ermöglicht werden soll, noch nicht benannt.

 

Heute, genau ein Jahr später, ergibt sich beim näheren Betrachten des aktuell vorliegenden Haushalts für 2016 erneut ein ernüchterndes Bild.

Wieder schließt der Ergebnishaushalt mit einem Negativsaldo ab. Zwar ist das Defizit mit 1,14 Mio. kleiner als 2015, aber erneut musste die Finanzverwaltung feststellen, dass die laufenden Aufwendungen aus den Erträgen nicht erwirtschaftet werden können. Wieder werden wir Gemeinderäte deshalb aufgefordert, Mittel und Wege zu finden, den Ergebnishaushalt ins Gleichgewicht zu bringen, um eine massive Verschuldung der Stadt in den kommenden Jahren zu verhindern. Laut dem Kämmerer müsse dabei bedacht werden, dass sich jede geplante Investition über die laufenden Abschreibungen zusätzlich im Ergebnishaushalt niederschlägt und die Situation durch steigende Personal- und Unterhaltskosten weiter verschärft wird.

Dem Erhalt des Bestandes müsse Vorrang eingeräumt werden vor der Schaffung von Neuem, oberstes Ziel müsse es sein, das Heft des Handelns wieder selbst in der Hand zu haben und auch bei steter Aufgabenkritik kommunale Standards zu überprüfen.

 

Im Wesentlichen werden wir aufgefordert, erneut Einsparungen bei den Investitionen vorzunehmen, die sich allerdings seit 2009 kaum verändert haben. Mit 11,45 Mio. Euro schlägt das Sanierungsgebiet „Westlich der Max-Lang-Straße“ auch in diesem Jahr als größter Posten zu Buche. Der Rest sind vor allem bereits begonnene oder noch nicht abgeschlossene Maßnahmen. Einsparungen in diesem Bereich erscheinen uns also schwierig bzw. fast unmöglich.

Auch der neu im Laufe des Jahres hinzugekommene große Investitionsposten für Neubauten im Bereich der Anschlussunterbringung in Musberg in Höhe von 7,7 Mio. Euro erscheint uns nach heutiger Kenntnislage wohl unausweichlich.

 

Wollen wir uns also dem Ziel eines ausgeglichenen Haushalts nähern, so müssen wir diesen aus unserer Sicht ganzheitlich kritisch betrachten: sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben und andere Aufwendungen.

 

Zunächst möchte ich nun die Einnahmenseite betrachten. Wie dem Haushalt zu entnehmen ist, plant hier die Stadt eine Anhebung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer B um jeweils 10 Punkte. Begründet wird diese Maßnahme mit weiter steigenden Investitionskosten. Die Grundsteuer B soll demnach Mehreinnahmen von 240.000 Euro erbringen und der Gewerbesteueransatz um 1 Mio. Euro höher ausfallen. Ziel soll es sein, die Summe der Gewerbesteuereinnahmen sicher bei 30 Mio. Euro zu halten. Aus früheren Jahren mit diversen Finanzkrisen wissen wir allerdings nur zu gut, wie stark das Gewerbesteueraufkommen von der allgemeinen konjunkturellen Lage abhängig ist. Auch ganz aktuell droht uns, wie aus der Presse zu erfahren war, durch negative Ergebniseffekte ein Rückgang bei den Gewerbesteuerzahlungen des Flughafens. Hier würden wir gern hinterfragen, ob es überhaupt rechtens ist, dass sich der Flughafen quasi vor Steuern durch Einzahlungen in den S-21-Topf derart schlecht rechnet, dass ein negatives Betriebsergebnis zu Steuerausfällen bei uns führt. Unseres Wissens ist dies noch nie nachgeprüft worden. Wir beantragen deshalb die Beauftragung eines Rechtsgutachtens zu dieser Thematik.

Es ist natürlich wünschenswert, Sicherheit bei Steuereinnahmen zu haben, allerdings sieht man nicht nur an diesem Beispiel, wie schwer kalkulierbar dies ist. Betrachtet man die Steuerentwicklung des Jahres 2015, so ist sogar erfreulicherweise davon auszugehen, dass der Ansatz von 30 Mio. Euro bei der Gewerbesteuer um ca. 5 – 6 Mio. Euro überschritten wird. Damit kann dann neben dem Ausgleich des unerwarteten Einnahmeausfalls von 1,2 Mio. Euro bei den Konzessionsabgaben aus dem Stromsektor zusätzlich auch das Defizit aus 2015 ausgeglichen werden. Aufgrund von nicht abgeflossenen Mitteln für Investitionen dürfte dieses zudem deutlich niedriger ausfallen als erwartet. Die Frage nach dem Sinn einer Gewerbesteuererhöhung zum jetzigen Zeitpunkt muss vor diesem Hintergrund aus unserer Sicht neu gestellt werden. Gegenüber Unternehmen und Grundstückseigentümern, letztlich aber auch gegenüber den Mietern, zu deren Lasten die Grundsteuererhöhung durchgereicht wird, muss dies zudem glaubhaft kommuniziert werden. Wir geben zu bedenken, dass die mögliche Abwanderung von Unternehmen aufgrund einer Gewerbesteuererhöhung die geplante Einnahmenverbesserung erheblich ins Wanken geraten lassen würde. Auch der Einzelhandel, der sich weiter verschlechternden Rahmenbedingungen ausgesetzt sieht, was auch an einem bisher nicht gekannten Ausmaß an leerstehenden Ladenflächen und Geschäftsaufgaben deutlich wird, kann die Gewerbesteuererhöhung nur schwer kompensieren. Ebenso konterkariert die Grundsteuererhöhung, dass geplante Ziel, erschwinglichen Wohnraum mit vertretbaren Mieten zu schaffen oder den sozialen Wohnungsbau überhaupt neu auf den Weg zu bringen. Die Stichhaltigkeit der Begründung seitens der Stadtverwaltung reicht uns nicht aus und ist mit den zusätzlichen Ausgaben für die Anschlussunterbringung kaum zu rechtfertigen, da die Ausgaben hierfür die geplanten neuen Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen. Die Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuer wirkt bei diesen und allen anderen hohen Investitionen nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Zusätzlich lohnt bei Steuererhöhungen immer auch ein Blick über den Tellerrand. Bei den Grundsteuereinnahmen liegt laut der Haushaltsanalyse 2015 der Industrie- und Handelskammer unsere Stadt auf Platz zwei hinter Stuttgart und bei den Gewerbesteuereinnahmen auf Platz 5, sowie beim Gewerbesteuer-Hebesatz mit 380 Punkten auf Platz 10 – also ebenfalls im oberen Drittel. In 2015 wurden zudem lediglich in Backnang, Fellbach und Eislingen die Gewerbesteuerhebesätze erhöht. Zwar wissen wir nicht, was die Gemeinden für 2016 planen, aber im Vergleich stehen wir sicher nicht schlecht da. Betrachtet man also Vor- und Nachteile der geplanten Steuererhöhungen, so glauben wir nicht, dass die kurzfristig-positiven Steuereffekte unsere Finanzsituation nachhaltig verbessern können. Deshalb lehnen die Freien Wähler die Erhöhung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer B ab und beantragen diese zu streichen.

 

Wir sehen aber natürlich trotzdem die dringende Notwendigkeit, die Einnahmenseite nachhaltig zu stärken. Ein möglicher Weg wäre deshalb, nach neuen Steuerarten zu suchen, die weniger Schaden und finanzielle Belastungen vor Ort anrichten, um langfristig die hier ansässigen Bürger und Unternehmen zu entlasten. Eine Idee könnte deshalb sein, eine pauschale Übernachtungsabgabe für Hotelgäste in Höhe von 2,50 Euro pro Nacht einzuführen. Laut statistischem Landesamt stieg ja die Zahl der Übernachtungen in LE zwischen 2008 und 2014 erfreulicherweise von 254.000 auf 442.000. Bei einer Pauschale von nur 2,50 Euro entspräche dies einer möglichen, jährlichen Steuereinnahme von rund 1,1 Mio. Euro zusätzlich. Unsere Zuwachsraten bei den Übernachtungszahlen liegen, betrachtet auf das Bundesland, mit auf dem höchsten Niveau. Die entsprechenden Belastungen durch gestiegen Verkehr und CO2-Emmissionen bekommen wir allerdings voll zu spüren. Hierin wäre eine mögliche Begründung für die Erhebung einer solchen Abgabe zu sehen, nämlich zum Erhalt und Ausbau der erforderlichen Infrastruktur. Im Gegenzug könnte als Ausgleich für die neue Steuer den Übernachtungsgästen ein Einkaufsgutschein in Höhe der Pauschale in den örtlichen Einzelhandelsgeschäften angeboten werden. Dadurch würde man eine klassische „win-win“-Situation schaffen: Mehreinnahmen für die Stadt und zusätzliche Umsätze für die Einzelhändler, die neue Kaufkraft am Ort zusätzlich binden könnten. Alternativ wäre auch denkbar, eine Fahrpreisermäßigung in den städtischen Verkehrsmitteln des ÖPNV in Höhe der Übernachtungspauschale zu gewähren. Wir beantragen, die Einführung einer solchen Übernachtungspauschale zu prüfen.

 

Neben einer kontinuierlichen aber moderaten, landverbrauchschonenden Entwicklung neuer Gewerbeflächen, muss auch die Entwicklung des Gemeindeanteils an der Einkommensteuer weiter vorangetrieben werden. Schon heute ist sie nach der Gewerbesteuer der zweitwichtigste Einnahmeposten. Und mit 25,7 Mio. Euro erreichen wir gegenüber 2015 erfreulicherweise bereits eine Steigerung um 1 Mio. Euro. Ziel muss es deshalb sein, diesen Posten nachhaltig zu sichern. Dies kann aber nur gelingen, indem in unserer Stadt weiterhin bezahlbarer und attraktiver Wohnraum für unsere Bürgerinnen und Bürger geschaffen wird. Der Anstieg bei der Zahl an Wohneinheiten kann den eventuellen Ausfall bei den Gewerbesteueranteilen mehr als kompensieren, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Besser, weil nachhaltiger als Steuererhöhungen, erscheint aus unserer Sicht deshalb die Ausweisung neuer Wohngebiete. Gleichzeitig könnten hier zusätzliche Grund- und Einkommensteuereinnahmen neu entstehen. Wichtig ist uns dabei, dass die Stadtverwaltung in diesem Bereich eine klare Prioritätensetzung vornimmt. Gegenüber der Bevölkerung muss klar gemacht werden, welche Gebiete in welcher Reihenfolge vorrangig entwickelt werden sollen. Wir beantragen deshalb, die Erstellung einer Rangfolge der geplanten Bebauungsgebiete und der Baulandentwicklung. Zudem erwarten wir auch eine Aufstellung an geplantem sozialem Wohnungsbau. Diese Liste müsste sowohl die Flächen als auch die Zahl geplanter Sozialwohnungen enthalten. Als strategisches Handlungsfeld der Stadtentwicklung würde damit dann auch das Schlüsselprodukt der Baulandentwicklung mehr in den Fokus gerückt.

 

Wichtig ist eine generelle Akzeptanz in der Bevölkerung, die nur durch entsprechende, sachlich richtige und möglichst frühzeitige Information gelingen kann. Wir wissen zwar, dass dies keine leichte Aufgabe ist, doch sollten möglichst nicht gegriffene Zahlen in den Raum gestellt werden, da dies nur zur Verunsicherung aller Beteiligten beiträgt. Deshalb verlangen wir eine möglichst exakte Differenzierung auch bei den in den Folgejahren geplanten Baukosten für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Warum hier eine jährliche Summe von genau 12 Mio. Euro genannt wird, erscheint uns wenig nachvollziehbar. Dass durch diese Ausgaben dann der Weg in die Verschuldung resultiert ist natürlich klar, aber ist er wirklich auch genau so vorgezeichnet? Man müsste dann doch ehrlicherweise wenigstens einen umgehenden „Adhoc-Bericht“ an den Gemeinderat einfordern, sobald die von der Bundes- und Landesregierung angekündigten Zuschüsse fließen oder zumindest wann diese und in welcher Höhe sie in Aussicht gestellt werden. Wir warnen jedenfalls davor, mit irgendwelchen Nebelzahlen herumzuspielen. Selbst wenn es kurzfristiges Handeln oder gar Nachtragshaushalte erfordert: nur mit hieb- und stichfesten Zahlen kann Haushaltspolitik gelingen. Es ist allemal seriöser, über Belastungen und Zahlen erst dann zu sprechen, wenn genauer bekannt ist, worüber man redet.

 

Lassen Sie mich nun, wie eingangs erwähnt, zur Ausgabenseite kommen.

Hier fällt im Wesentlichen besonders der Posten der Personalausgaben auf. Lag im Jahr 2015 deren Anteil am Gesamtergebnishaushalt noch knapp unter 25 Prozent, so soll er nach den vorliegenden Planungen im Jahr 2016 auf über 26,6 Prozent steigen. Oder in Zahlen ausgedrückt: von 25 auf fast 28 Mio. Euro. Mehr als 2 Millionen Steigerung für Personal, – auch wenn durch Buchungsfehler im NKHR bei der Volkshochschule noch eine Korrektur nach unten erfolgt ist, das bedeutet immerhin noch eine Zunahme um fast 10 Prozent! Meine Damen und Herren, das würde man in der freien Wirtschaft ohne ein sachhaltiges Konzept dahinter wohl niemals umsetzen können.

Ganz allgemein begründet die Stadtverwaltung den Anstieg nur mit (Zitat) „tariflichen Lohnerhöhungen, dem fortschreitendem Ausbau im Bereich der Kinder- und Kleinkinderbetreuung und dem generell über alle Verwaltungsbereiche gestiegenen Stellenbedarf“.

Steigerungen im Bereich der Kinderbetreuung können wir nachvollziehen, sie waren und sind Konsens und entsprechen dem qualitativ hohen Niveau. Aber der Mehrbedarf in allen Verwaltungsbereichen hat uns dann doch stutzig gemacht.

Deshalb haben wir uns die Mühe gemacht, den Anstieg bei den Personalkosten in den einzelnen Teilhaushalten genauer zu betrachten und zu analysieren. Wir wissen natürlich nicht, ob bei den folgenden Posten weitere Korrekturen bedingt durch Buchungsfehler im NKHR erfolgen werden, unser Vergleich bezieht sich auf die im aktuellen Haushaltsplan vorgelegten Zahlen. Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt von deren Richtigkeit aus.

 

Zuerst fällt auf, dass im Teilhaushalt 1, Innere Verwaltung, die Personalkosten eher rückläufig sind. Selbst im früher kritisch betrachteten Bereich Tourismus, Stadtmarketing und Öffentlichkeitsarbeit sind die Ausgaben leicht rückläufig. Warum allerdings für den Posten „Organisation und EDV“ (Produktgruppe 11.20) fast 30.000 Euro und für den Bereich „Zentrale Dienstleistungen“ (Produkt 11.26) fast 250.000 Euro mehr für Personal ausgegeben werden sollen, erschließt sich uns aus dem vorliegenden Haushalt nicht und verlangt nach einer genaueren Aufschlüsselung, die wir hiermit beantragen.

 

Im Teilhaushalt 2 fällt auf, dass im Bereich Sicherheit- und Ordnungswesen (Gruppe 12.20) der Ansatz beim Personal um 30.000 Euro sinken kann. Nicht erst seit den Silvesterereignissen von Köln fragen sich besorgte Bürgerinnen und Bürger immer mehr, ob hier nicht am falschen Ende gespart wird. Wir in Leinfelden-Echterdingen haben ein hohes Sicherheitsniveau, dessen Erhalt uns als Freien Wählern besonders am Herzen liegt. Wir bitten deshalb die Verwaltung zu erklären, ob der Rückgang bei den Personalkosten in diesem Sektor zu Leistungsdefiziten führen kann oder ob es möglich ist, dies ohne Weiteres zu kompensieren. Wir möchten dies auch nicht allein auf die Flüchtlingsproblematik reduziert sehen. Wir wissen, dass in allen Bereichen Sicherheit und Ordnung eine wichtige Rolle spielen.

 

Im Bildungsbereich wurden die größten Steigerungen bei den Personalaufwendungen geplant. Wie vorher schon gesagt, können wir im Kindergartenbereich (Produkt 36.50) die Steigerung um 1,06 Mio. Euro von 7,4 auf nunmehr 8,5 Mio. Euro aufgrund der gewollten Kapazitätssteigerungen und höherer Tarifabschlüsse nachvollziehen.

 

Aus dem übrigen Bildungsbereich möchte ich noch zwei weitere Gruppen und ihre Personalaufwendungen herausstellen: die Ausgaben für Schulträgeraufgaben (Produkt 21.10) steigen um rund 250.000 Euro oder 14 Prozent und für die Musikschule (Produkt 26.30) ergibt sich ein Plus von 170.000 Euro, entsprechend 13,7 %.

Aufwendungen für Bildung sind personalkostenintensiv und sicher auch wünschenswert, jedoch übersteigen die Planungen in dem vorgestellten Ausmaß bei weitem unsere Möglichkeiten. Ob unter Schulträgeraufgaben Ausgaben für die Integration zu verstehen sind und welche Aufgaben zur Erhöhung im Musikschulbereich führen, können wir dem aktuellen Haushalt nicht entnehmen Wir beantragen deshalb, die beiden Ausgabensteigerungen genauer aufzuschlüsseln und zu erklären.

 

Im Stellenplan 2016 werden insgesamt 18,2 neue Stellen gegenüber 2015 ausgewiesen. Diese Stellen haben wir im Lauf des Jahres 2015 bei jeweils aufkommendem Bedarf kurzfristig beschlossen.

Da im Herbst 2016 bereits der Haushalt für 2017 beraten wird, sollten wir bis dahin keine neuen Stellen mehr genehmigen, wenn nicht äußerste Dringlichkeit dafür spricht. Im Oktober 2016 erwarten wir dann einen genauen Stellenplan für 2017, der eine vorausschauende Stellenplanung enthält und nicht eine rückwirkende Genehmigung bereits beschlossener Stellen darstellt. Planung und Vorausschau und nicht nur kurzfristiges Reagieren – das muss die Losung sein –  sonst wird es schwierig, kommende Aufgaben zu bewältigen.

 

Bei Freiwilligkeitsaufgaben, wie beispielsweise der Musikschule, sind wir nicht bereit, Mehrausgaben in der genannten Höhe mitzutragen. Stattdessen erwarten wir von der Verwaltung einen Bericht zu Kostendeckungsgraden und Gebühreneinnahmen in diesem Sektor, der aufzeigt, welche finanziellen Spielräume uns hier überhaupt noch gegeben sind und wie die Gebühren erforderlichenfalls entsprechend anzupassen sind.

 

Kostendeckungsgrade, Gebühren und Einnahmen spielen auch in anderen Bereichen des gesamten Haushalts eine zunehmend wichtige Rolle. Schon vor einem Jahr baten wir deshalb die Verwaltung, uns einen genauen Bericht zu den Einnahmen und Kosten im Bestattungswesen zu liefern. Ich erneuere in diesem Jahr meine alte Forderung und bitte Sie um einen Bericht hierzu im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss.

 

Auch die Grünflächenplanung und der Landschaftsbau sollten hinsichtlich Notwendigkeit, Ausführung und Materialauswahl so sparsam wie möglich angegangen werden. Wir begrüßen, dass der Ansatz um gut 30.000 Euro zurückgefahren werden konnte, fordern aber weiter eine genau Aufstellung aller Kosten mit klarer Priorisierung, insbesondere zu sanierungsbedürftigen Kinderspielplätzen und den Planungen im Bereich Verlegung der Max-Lang-Straße. Auch die 26.900 Euro für die Anlage eines Landschaftsparks bitten wir in diesem Zusammenhang noch einmal näher zu erläutern.

 

Ich komme noch kurz zu den Stadtwerken: hier wirkt sich im Jahr 2016 besonders der bereits beschlossene Erwerb des Gasnetzes kostensteigernd aus. Wir wissen, dass dies mangels Eigenkapital nur über eine Kreditfinanzierung möglich ist. Umso wichtiger erscheint uns deshalb, dass sich Investitionen im Bereich des Netzeerwerbs innerhalb überschaubarer Zeiträume als gewinnbringend erweisen. Ein intensives, engmaschiges Überwachen betriebswirtschaftlicher Zahlen ist für uns deshalb unerlässlich. Wir fordern hierzu einen jährlichen Controlling-Bericht im Stadtwerkeausschuss.

 

Im Bereich der Parkierung stehen auch im Jahr 2016 hohe Sanierungs-Ausgaben viel zu geringen Einnahmen gegenüber. Wir fordern deshalb einen Bericht im Stadtwerkeausschuss hierzu, der Ergebnisse hinsichtlich einer Verbesserung der Einnahmesituation und Auslastung unserer Parkflächen enthalten sollte.

 

Eine Kreditermächtigung in Höhe von 2 Mio. Euro steht auch für das Jahr 2016 wieder im Haushalt. Herr Oberbürgermeister, Sie kennen die kritische Ansicht der Freien Wähler zu jeglicher Art von Verschuldung. An ihr hat sich auch im neuen Haushaltsjahr nichts geändert. Wir bleiben dabei, dass Kredite nur dann in Anspruch genommen werden sollten, wenn konkrete Investitionsvorhaben dahinter stehen und ein Nutzen für die Bevölkerung sichtbar wird. Auch muss dargestellt werden, wie ein Darlehen zurückgezahlt werden kann und über welchen Zeitraum. Wir sind froh, dass die alleinige Begründung mit den historisch niedrigen Zinsen inzwischen auch in der Stadtverwaltung nicht mehr per se eine Kreditaufnahme rechtfertigt. Auch das Argument, man könne über niedrige Zinssätze Geld sparen und könne dadurch gar neue Einnahmen generieren, erweist sich zunehmend als Rechnung, die vielleicht für berufsmäßige Geldverleiher wie Kreditinstitute ein Geschäft darstellt, nicht jedoch für eine Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Sie haben uns versichert, dass unsere Zustimmung zu tatsächlichen Kreditaufnahmen jeweils vorher abgefragt und an konkreten Projekten festgemacht wird und wir damit Herr des Verfahrens bleiben. Die eingestellte Kreditermächtigung lehnen wir damit nun nicht mehr pauschal ab.

 

Insgesamt ist bei allen Maßnahmen darauf zu achten, dass wir nachhaltig und zukunftsorientiert, abgestimmt auf die strategischen Ziele unserer Stadt handeln und nicht nur kurzfristig, scheinbar ziellos, Löcher stopfen und nur dringendste Baustellen bearbeiten. Dementsprechend ist für uns Freie Wähler die Orientierung aller Ziele an dem schon vor einem Jahr geforderten übergeordneten Leitbild weiterhin essentiell und sollte nicht aus den Augen verloren werden. Da es sich dabei um einen permanenten, begleitenden Prozess handelt, beantragen wir dazu auch in 2016, regelmäßig die Strategiekommission einzuberufen und sich mit diesen Fragen zu befassen.

 

Zum Schluss danke ich im Namen der Fraktion der Freien Wähler allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit der Erstellung des Haushaltsplanentwurfes beauftragt waren und Ihnen, meine sehr geehrte Damen und Herren für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Anträge der Freien Wähler zum Haushalt 2016:

 

  1. Beauftragung eines Rechtsgutachtens zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit eines negativen Betriebsergebnisses des Flughafens durch Einzahlungen in S-21-Topf und daraus resultierendem Gewerbesteuerausfall
  2. Streichung der Erhöhung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer B.
  3. Prüfung der Einführung einer pauschalen Übernachtungssteuer in Höhe von 2,50€ pro Nacht und Person.
  4. Erstellung einer Rangfolge geplanter Bebauungsgebiete und Baulandentwicklung, inklusive Anteil sozialer Wohnungsbau (zahlen- und flächenmäßig)
  5. Überprüfung jährlicher Folgekosten von 12 Mio. Euro für Anschlussbringung: genaue Differenzierung u. Kostenaufstellung, umgehender Adhoc-Bericht an GR, sobald Bundes- oder Landeszuschüsse in Aussicht
  6. Personalkostensteigerung im Bereich Organisation und EDV“ (Produktgruppe 11.20) 30.000 Euro und Bereich „Zentrale Dienstleistungen“ (Produkt 11.26) 250.000 Euro streichen und erneute Beratung nach genauer Aufschlüsselung
  7. Personalkostenrückgang bei Gruppe 12.20 Innere Sicherheit: Erklärung und Darstellung möglicher Leistungsdefizite dadurch
  8. Personalkostensteigerung im Bildungsbereich Schulträgeraufgaben und Musikschule: genaue Auflistung dieser Personalkosten.
  9. Keine neuen Stellen in 2016 beschließen. Erst vorausschauende Personalplanung für 2017 im Herbst 2016 mit neuem Haushalt beraten und beschließen.
  10. Bericht zu Kostendeckungsgraden und Gebühreneinnahmen im Bereich Musikschule, der aufzeigt, welche finanziellen Spielräume noch gegeben sind und wie Gebühren erforderlichenfalls entsprechend anzupassen sind.
  11. Genauer Bericht zu Einnahmen und Kosten im Bestattungswesen
  12. Kostenbericht zu Sanierung von Spielplätzen, Landschaftsgestaltung im Sanierungsgebiet „Max-Lang-Str.“, Landschaftspark.
  13. Jährlicher Controlling-Bericht zu Einnahmen und Ausgaben aus Netzeerwerb im SWA.
  14. Bericht im SWA zu Einnahmesituation und Auslastung im Bereich Parkierung
  15. Umsetzung der Zusage zur Kreditermächtigung: vor Kreditaufnahme Beratung im VKS und Knüpfung an konkrete Projekte
  16. Regelmäßige Einberufung der Strategiekommission zur Beratung der Leitbildfragen

Dr. Eberhard Wächter


Druckansicht dieses Artikels Druckansicht dieses Artikels