Der kommunalpolitische Herbst wartet in Leinfelden-Echterdingen (wieder einmal) mit einer Schuldiskussion auf. Soll, wie im Landtag beschlossen, das Ende der erst vor wenigen Jahren eingeführten Werkrealschule an der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) beschlossen werden, und wagen wir uns in dieser Stadt an das Experiment „Gemeinschaftsschule“ ? Wir Gemeinderäte sind gefordert, mit einer Entscheidung, die am Ende nur einen Verlierer kennt: unsere Kinder! Das können und wollen wir Freien Wähler aber nicht akzeptieren.

Schon wird von verschiedenen Fraktionen der Ruf nach allen möglichen mehr oder weniger teuren und kompetenten Experten laut, die jetzt im Vorfeld dringend in den Sitzungen und Gremien gehört werden müssten. Wir halten wenig davon. Schließlich sind diese Experten oft von einer bestimmten Richtung beeinflusst, wie unlängst im letzten Arbeitskreis Schulentwicklung zu sehen und von allen Teilnehmern zu spüren war. Wenn man uns dann mit anderen zusammen als „Störfaktoren“ ansieht, ist aus unserer Sicht eine ergebnisoffene Diskussion nicht mehr gewährleistet.

Wir fragen uns, ob immer wieder neue Schulsysteme an unseren Kindern ausprobiert werden müssen, oder ob es nicht besser wäre, die Schüler besser zu fördern, durch eine ausreichend hohe Zahl gut ausgebildeter, motivierter Lehrkräfte. Das ist wichtiger als die Systemfrage! Es ist wichtiger als eine Entscheidung für oder gegen die Gemeinschaftsschule. In seiner Bildungsstudie „The long term effects of early track choice“  kommt der Diplom-Volkswirt Prof. Dr. Patrick Puhani von der Universität Hannover zu dem Ergebnis, dass das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland gar nicht so schlecht oder falsch ist. Es zeigt eine hohe Durchlässigkeit auch für Kinder aus der Real- und Hauptschule. Er kommt zu dem Schluss, dass wenn die Politik die Hauptschule (oder Werkrealschule) abschaffen will, sie (Zitat) „sicherstellen muss, dass in der neuen Schulform genug Lehrer und Sozialarbeiter da sind, um die schwächeren Schüler gezielt zu fördern. (…) Die Politik hat laut dieser Studie keinen Grund, panisch irgendetwas zu machen. Das dreigliedrige System hat auch die Stärke, dass die Lerninhalte auf die unterschiedlichen Begabungen der Schüler abgestimmt sind. Zwar ist die Entscheidung für eine weiterführende Schulform im deutschen System im internationalen Vergleich sehr früh, aber dennoch bedeutet dies keine Zementierung der Lebenschancen der Kinder. Die Studie zeigt, dass es der gute Realschüler auch zum Chefarzt oder Manager bringen kann“ (Zitat Ende).

Wir tun also gut daran, in unserer Stadt nicht überstürzt zu handeln. Die beste Lösung für unsere Kinder sollte im Vordergrund stehen. Sie sollte unsere Überlegungen, unser Handeln und unsere Entscheidung im Herbst bestimmen. Und wenn wir mehr Zeit brauchen, dann sollten wir uns diese auch nehmen dürfen.

Dr. E. Wächter


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